Online-Musiklexikon - Fachbegriffe der Musiktheorie mit Hörbeispielen

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Motiv

Tonfolge, die in einem Musikstück in gleicher oder modifizierter Gestalt wiederholt auftaucht. Die Modifikation besteht meist darin, dass die Tonfolge ihren Ausgangspunkt auf verschiedener Tonstufe hat. Es kann aber auch die Richtung der Intervalle umgekehrt werden oder die Tonfolge nach sonstigen leicht ersichtlichen Kriterien variiert sein. Ein Motiv kann in der gleichen Stimme wiederkehren, wie zum Beispiel als Sequenz, oder in einer anderen Stimme. Im letzteren Fall spricht man von einer Imitation.

Die Eigenschaft, Motiv zu sein, kommt einer Tonfolge nur rückwirkend zu: als Folge des Wiederauftauchens dieser Tonfolge in derselben oder in variierter Form. Das Motiv ist also eine typische Reflexionsbestimmung, in der sich die Übereinstimmung in den Phasen der Stimmbewegung niederschlägt.

Da innerhalb eines Musikstücks immer jeweils ganz bestimmte Tonfolgen als Motiv fungieren und Motive in der Praxis über ihre melodische Eigenart identifiziert werden, entsteht leicht die Illusion, dass diese Bestimmung der Tonfolge als solcher zukomme, dass eine Tonfolge also per se ein Motiv sei. Daraus wurden verkehrte Theorien über das Motiv entwickelt, in denen behauptet wurde, das Motiv sei eine "kleinste Einheit" und als solche ein "Keim", der aus sich heraus das Wiederauftauchen einer Tonfolge begründe. Diese Verdrehung von Ursache und Wirkung gehört zum Standard populärer Musiklexika und Musiklehren.

Eine genauere Abhandlung über den Begriff des Motivs ist als Leseprobe (PDF) aus dem Buch "Die tonale Musik" verfügbar.

Mehr zu diesem Thema in dem Artikel Motiv laut Wikipedia

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Sequenz, Imitation, Thema

Die Sequenz ist die Wiederholung eines Motivs auf einer anderen Tonstufe und in unmittelbarer Abfolge. Im Beispiel unten tritt das Motiv a in einer Sequenz auf. Aber auch das Motiv b ist als Sequenz ausgestaltet. Motiv b enthält selbst eine Sequenz in sich, ist also ein zusammengesetztes Motiv. Dass es das Motiv b auch in der Oberstimme gibt, beruht übrigens auf der Sequenz in der Unterstimme. Die Sequenz ist eine der einfachsten Formen, in denen das Motiv in Erscheinung tritt. Sie ist bereits in Kinderliedern wie "Hänschen klein" anzutreffen, aber auch in der Popmusik sehr verbreitet.

Die Imitation ist die Nachbildung eines melodischen Abschnitts in einer anderen Stimme. Auch die Imitation ist eine Erscheinungsform des Motivs. Im Beispiel unten ist das imitierte Motiv c ein Fugenthema.

Ein Thema ist ein Motiv, das in einem Musikstück vorherrscht und ihm dadurch seine melodische Charakteristik aufprägt. 

Beispiel für eine verschachtelte Motivik

 

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Engführung

Die Engführung ist eine Imitation, die zu einem Zeitpunkt beginnt, in dem das imitierte Motiv in einer anderen Stimme noch nicht zu Ende gespielt ist.

J. S. Bach, Inventio 8, BWV 779

Beispiel für eine Engführung

 

In diesem Beispiel beginnt das Musikstück mit einer Engführung. Während das Motiv b in der Oberstimme erst zur Hälfte gespielt ist, beginnt die Unterstimme im zweiten Takt mit der Nachahmung der Oberstimme. Im dritten Takt wird die Imitation auf den melodischen Ablauf der Oberstimme im zweiten Takt ausgedehnt. Das Muster der Imitation ist noch gar nicht fertiggestellt, wenn der Kopiervorgang beginnt. Wann das Motiv b zu Ende ist, zeigt sich im vierten Takt: Dort trennt sich der melodische Verlauf der Unterstimme vom Vorbild der Oberstimme. Dass die Identität eines Motivs sich erst im Nachhinein zeigt, liegt im Wesen des Motivs.

Das Beispiel zeigt neben der Engführung noch eine weitere Erscheinungsform des Motivs: die Sequenz, in der sich das Motiv a konstituiert.

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